Drei Fragen an…
Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung, beantwortet drei schnelle Fragen zum Thema Junges Ehrenamt im Umwelt- und Naturschutz.
Herr Ast, die NRW-Stiftung setzt sich seit 1986 dafür ein, Natur, Heimat und Kultur in Nordrhein-Westfalen zu bewahren. Im Bereich Naturschutz erwirbt sie zum Beispiel schutzwürdige Flächen, außerdem fördert sie Projekte von ehrenamtlichen Vereinen und Initiativen. Laut EhrenamtAtlas ist die Gruppe der unter 30-Jährigen mit einer Ehrenamtquote von 58 Prozent im Vergleich zu den über 60-Jährigen (54 %) aktiver. Was motiviert junge Menschen Ihrer Erfahrung nach, sich im Naturschutz zu engagieren?
Stefan Ast: Der Naturschutz in Nordrhein-Westfalen fußt seit jeher auf großem ehrenamtlichen Engagement – oft packen ganze Familien tatkräftig mit an. So werden schon Kinder und Jugendliche für unsere Umwelt sensibilisiert. Das ist ganz wichtig, denn aus Erfahrung wissen wir: Wer schon als junger Mensch eine Bindung zur Natur aufbaut, sich in ihr wohlfühlt und entfalten kann, ist auch später bereit, Natur zu respektieren und zu ihrem Erhalt beizutragen. Dieser Gedanke steckt hinter zahlreichen niedrigschwelligen Mitmachangeboten, die wir fördern. Ein schönes Beispiel ist das Projekt „Flügelschutz in Aktion“ der Jugendfeuerwehren in NRW. Dabei bauen Jugendliche Nistkästen für Vögel und lernen ganz nebenbei, wie das zum Artenschutz beiträgt. Die Hoffnung ist, dass einige von ihnen nachhaltig für das Thema Naturschutz begeistert werden und sich in diesem Bereich auch weiterhin engagieren – und das auch später als Erwachsene.
40 Prozent der Nichtengagierten können sich ein Ehrenamt im Bereich Umwelt-, Natur- und Tierschutz vorstellen. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 52 Prozent. Wie münzen Vereine und Initiativen dieses Potenzial in tatsächliches Engagement um?
Stefan Ast: Die Wege, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, sind vielfältig und unsere Projektpartnerinnen und -partner sind da sehr kreativ. Ein wichtiger Baustein ist die eben erwähnte Jugendarbeit. Aber auch Feste oder Tage der offenen Tür sind tolle Gelegenheiten, Menschen für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern. Dreh- und Angelpunkte für den Naturschutz sind die Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen. NABU, BUND und auch kleinere lokale Naturschutzinitiativen leisten einen unverzichtbaren Beitrag: Sie pflegen und betreuen Naturschutzgebiete und bieten vielfältige Angebote in der Umweltbildung. Hier gibt es oft Möglichkeiten, mitzutun und dementsprechend finden hier Menschen ihren Zugang zum Naturschutz. Dabei hilft, dass der Umgang im Naturschutz stets sehr freundschaftlich und offen ist. Man findet schnell Freundinnen und Freunde und wird von der großen Begeisterung der Menschen für ihr Herzensthema angesteckt.
Zeitmangel ist sowohl für Ehrenamtliche wie auch Nichtehrenamtliche die größte Herausforderung beziehungsweise ein Grund gegen ein Ehrenamt. Welche Möglichkeiten gibt es, ein Engagement portionierbar und damit zeitlich flexibler zu gestalten?
Vereine und Initiativen berichten uns in der Tat, dass viele Menschen sich nicht mehr so langfristig binden möchten und vor der „Vereinsmeierei“ zurückschrecken. Aber wenn es einen Bereich gibt, in dem auch punktuelles Engagement möglich ist und einen echten Unterschied macht, dann ist es der Naturschutz! Ob es darum geht, Krötenzäune zu bauen, Vögel zu zählen oder Streuobstwiesen zu pflegen, zu jeder Jahreszeit gibt es Möglichkeiten mitzuhelfen, ohne gleich eine Dauer-Verpflichtung einzugehen. Und wie in jedem Verein gilt auch im Naturschutz: Reinschnuppern ist ausdrücklich erwünscht, da merkt man dann schnell, welche Aufgabe etwas für einen sein könnte, wie viel Aufwand sie erfordert und wieviel Freude sie macht.
Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung @NRW-Stiftung / Judith Büthe